Antirrhetikos – Die Soforthilfe

„Das schaffe ich nie!“ – „Ich bin doch zu nichts zu gebrauchen!“ – „Keiner mag mich!“: Wie oft reden wir uns mit solchen Sätzen Lustlosigkeit oder (unnötige) Ängste ein. Und stehen uns damit selbst im Weg.
Andere Sätze hingegen, die wir manchmal vor uns hersagen, geben uns Kraft und Energie: “Take it easy!“ – „Halb so wild!” – „Davon geht die Welt nicht unter.” – „Was dich nicht umbringt macht dich stärker.“
Sowohl um die negative als auch um die positive Kraft der Gedanken und Einredungen wussten auch schon die frühen Christen. Wie beispielsweise die Begründer des christlichen Mönchtums: Die “Wüstenväter”, die, nachdem das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion avancierte, sich für eine besonders radikale Nachfolge Christi entschieden und dafür buchstäblich „in die Wüste gingen“. Ihr biblisch begründetes Wissen um den konstruktiven Umgang mit den eigenen Gedanken weckt heutzutage das Interesse von Psychotherapeuten und sinnsuchenden Menschen gleichermaßen. Ein Impuls zur Fastenzeit.

Wer waren die Wüstenväter?

Die Wüstenväter lebten seit dem späten 3. bis zum 5. Jahrhundert in der sketischen Wüste Ägyptens. Sie führten dort entweder als Einsiedler oder mit anderen in Gemeinschaft lebend ein an der Heiligen Schrift orientiertes sowie von den Weisungen von Mönchsvätern wie dem hl. Antonius dem Großen (251-356), dem hl. Makarios dem Großen (300-390) oder dem hl. Pachomios (292-346) inspiriertes Leben.
Die Vorbilder der Wüstenväter waren hierbei Persönlichkeiten wie Johannes der Täufer, der hl. Paulus sowie Jesus Christus selbst, der, nachdem er die Taufe im Jordan empfangen hatte, zu Beginn seines öffentlichen Wirkens vierzig Tage in der Wüste fastete und dabei den Versuchungen des Satans widerstand. (Mt 4, 1-11, Mk 1,12 f., Lk 4, 1-13).
Um in der unwirtlichen Wüste körperlich und auch geistig überleben zu können (denn manche, die „ihr Glück“ in der Wüste versuchten, bezahlten dieses Unterfangen mit ihrem Leben oder mit ihrer geistigen Gesundheit) führten die Mönche unter Anleitung eines geistlichen Begleiters eine asketische, aber dennoch von Abwechslung geprägte Lebenspraxis: In dieser erhielten Gottesverehrung, Schriftlektüre, Liturgie, Nächstenliebe, (immerwährendes) Gebet, (Psalmen-)Gesang und Arbeit ihr richtiges Maß. Dieses Wissen gaben sie auch an andere Menschen weiter, die sie in der Wüste aufsuchten und um ihren Rat baten.
Der hl. Johannes Cassian (360-435), ein lateinischer Christ, der sich von der Donau aus zu den Wüstenvätern aufmachte, um sich ihnen anzuschließen und später die Spiritualität der Wüstenväter im Abendland bekannt machte, schrieb im Rückblick über diese: „In der ödesten Einsamkeit leben sie, fernab von jeder Begegnung mit Menschen. Dadurch im Besitz erleuchteter Sinne betrachten und reden sie, was den Unerfahrenen und nicht Eingeweihten entsprechend ihren Voraussetzungen und der Mittelmäßigkeit ihres Lebenswandels vielleicht unmöglich erscheinen wird.“ (Collationes Patrum Teil 1, Prolog)

 

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Evagrius Ponticus: Gegen schlechte Gedanken das passende Bibelzitat finden

Einer der Meister in dieser Disziplin der Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Dämonen war der Wüstenvater Evagrius Ponticus (345-399), ein Schüler des hl. Basilius von Cäsarea sowie des hl. Gregor von Nazianz. Evagrius systematisierte zunächst in seinem Buch „Über die acht Gedanken“ (siehe Literaturliste) die verschiedenen Formen von Lastern in acht Hauptkategorien: gastrimargía (Gaumenlust), porneía (Unzucht), philarguría (Geldgier), lúpe (Traurigkeit), orgé (Zorn), akedía (Trägheit), kenodoxía (Ruhmsucht) und huperephanía (Stolz). Dieses Lasterschema wurde von  Johannes Cassian übernommen und damit dem lateinischen Westen überliefert – der hl. Papst Gregor der Große entwickelte hieraus im 6. Jahrhundert die bekannten „sieben Hauptsünden“.

In seinem Buch „Die große Widerrede. Antirrhetikos“ schließlich listet Evagrius – unterteilt nach dem von ihm erstellten Lasterkatalog – häufig aufkommende negative Gedanken auf – und nennt gleichzeitig zu jedem negativen Gedanken ein Bibelzitat, welches in Form eines Stoßgebetes aufgesagt werden kann um den schlechten Gedanken durch einen guten zu ersetzen. Evagrius beruft sich bei dieser „antirrhetischen Methode“ auf Jesus Christus selbst, der den Versuchungen Satans auch mit Zitaten aus der Heiligen Schrift entgegentrat und diesen schließlich dazu brachte von ihm abzulassen.

Quelle: Bistum Regensburg”

Das ist also ein Stück weit das, was ich auf der HP im Zusammenhang mit den Negativen Mythen schon versucht habe aufzugreifen.

Nun werde ich nach und nach meinen eigenen “Antirrhetikos ” zusammenzustellen.

Das Ganze wird alphabetisch sortiert sein. Eine Übersicht findet Ihr dann ->hier

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